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Selbstbetrachtungen

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Paperback

Classic FictionLiterary Fiction

ISBN13: 9791041908363
Publisher: Culturea
Published: Feb 21 2023
Pages: 102
Weight: 0.43
Height: 0.21 Width: 7.44 Depth: 9.69
Language: German
1. Von meinem Gro vater [Verus] wei ich, was edle Sitten sind und was es hei t: frei sein von Zorn. 2. Der Ruf und das Andenken, in welchem mein Vater steht, predigen mir Bescheidenheit und männliches Wesen. 3. Der Mutter Werk ist es, wenn ich gottesfürchtig und mitteilsam bin; wenn ich nicht nur schlechte Taten, sondern auch schlechte Gedanken fliehe; auch da ich einfach lebe und nicht prunke wie reiche Leute. 4. Mein Urgro vater litt nicht, da ich die öffentliche Schule besuchte, sorgte aber dafür, da ich zu Hause von tüchtigen Lehrern unterrichtet wurde, und überzeugte mich, da man zu solchem Zweck nicht sparen dürfe. 5. Mein Erzieher gab nicht zu, da ich mich an den Wettfahrten beteiligte, weder in Grün noch in Blau, auch nicht, da ich Ring- und Fechterkünste trieb. Er lehrte mich Mühen ertragen, wenig bedürfen, selbst Hand anlegen, mich wenig kümmern um anderer Leute Angelegenheiten und einen Widerwillen haben gegen jede Ohrenbläserei. 6. Diognet bewahrte mich vor allen unnützen Beschäftigungen; vor dem Glauben an das, was Wundertäter und Gaukler von Zauberformeln, vom Geisterbannen usw. lehrten; davor, da ich Wachteln hielt, und vor andern solchen Liebhabereien. Er lehrte mich ein freies Wort vertragen; gewöhnte mich an philosophische Studien, schickte mich zuerst zu Bacchius, dann zu Tandasis und Marcian, lie mich schon als Knabe Dialoge verfassen und gab mir Geschmack an dem einfachen, mit einem Fell bedeckten Feldbett, wie es bei den Lehrern der griechischen Schule im Gebrauch ist. 7. Dem Rusticus verdanke ich, da es mir einfiel, in sittlicher Hinsicht für mich zu sorgen und an meiner Veredlung zu arbeiten; da ich frei blieb von dem Ehrgeiz der Sophisten; da ich nicht Abhandlungen schrieb über abstrakte Dinge, noch Reden hielt zum Zweck der Erbauung, noch prunkend mich als einen streng und wohlgesinnten jungen Mann darstellte, und da ich von rhetorischen, poetischen und stilistischen Studien abstand; da ich zu Hause nicht im Staatskleid

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